Was bleibt ist die Erinnerung

Tee - Erinnerungen an Mama

Als ich am Begräbnistag die vielen Hände schüttle, die Umarmungen erwidere oder auch nicht, ich weiß es nicht mehr genau, nehme ich die vielen Beileidsbekundungen, alle Worte, die an mich gerichtet werden im liebevollen Versuch, mich zu trösten, stumpf zur Kenntnis. Du trägst sie immer im Herzen, sagen sie und was bleibt, ist die Erinnerung, die kann dir keiner nehmen.

Was tu ich mit einer Erinnerung, denke ich, ich brauche eine echte Mama, eine lebendige, eine, die mich freudestrahlend begrüßt, eine die mir Tee kocht oder Suppe oder zumindest eine, der ich Tee kochen kann oder Suppe. Eine zum Umarmen, eine, deren Hand ich streicheln kann, eine zum Reden und zum Zuhören, eine zum Lachen, eine, für die mein Kuchen der Beste auf der Welt ist, eine, die mich nimmt wie ich bin und die mich kennt wie sonst keine.

Die Erinnerung genügt mir nicht, denke ich, warum sagen die das, gar nichts bleibt, alles ist trostlos und nie wieder wird es gut, ganz bestimmt nicht, denke ich.

Als die Weihnachtszeit naht, muss ich wieder sehr viel an meine Mama denken. Wie man sie im versperrten Elternschlafzimmer geheimnisvoll rascheln hört und wie ich natürlich im Anschluss immer irgendetwas Glitzerndes an ihr entdecke, das ganz sicher eine Spur zum Christkind ist. Wie sie die Ente mit so vielen Äpfeln vollstopft, dass diese fast platzt, weil sie weiß, dass ich Äpfel liebe. Wie sie nie schimpft, sondern immer alles Menschenmögliche tut, um uns glücklich zu sehen.

Ich sehe sie, meine Mama. Ich sehe sie gehen. Ich sehe sie, sie ist in der Küche. Ich sehe sie kochen, sie rührt in Töpfen. Ich sehe sie herumeilen, geschäftig, ich sehe sie gesund. Ich sehe, wie sie sich kämmt, sie sprüht sich Taft ins Haar. Ich sehe sie lächeln. Ich sehe ihre Sanftmut im Gesicht. Ich kann sie sehen. Sie ist lebendig. Sie ist fröhlich. In mir steigt Freude auf, Dankbarkeit, Liebe, Hoffnung – ein unbeschreiblich grenzenloses Gefühl.

Was bleibt, ist die Erinnerung. Sie hatten recht, denke ich. Alle hatten sie so recht.

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