Sich sorgen oder sich freuen?

Auszeit am Liegestuhl am Meer

Ich bin schon aufgeregt. Bald hab ich acht Wochen frei. Ein Sabbatical und vier Wochen Urlaub und unser mitarbeiterfreundliches Unternehmen ermöglichen mir dieses herrliche Unterfangen. Acht Wochen. Das letzte Mal hatte ich so viel freie Zeit am Stück, als ich Schulferien hatte. Ganze vier Wochen davon werde ich am Meer verbringen. In einem Appartement auf Kreta mit Blick zum Ozean.

Natürlich war meine erste Intention, als ich diesen Plan heckte, meinem Kind durchgängig entspannte Ferien zu gönnen. Ferien, in denen ich sie nicht ständig aufwecken und wohin bringen musste. Ferien, in denen sie nicht in den von ihr ungeliebten Hort zu gehen hatte. Ferien, in denen auch wir ausreichend Zeit verbringen konnten. Und zwar von der Sorte Quality Time, von der es während der Schulzeit ja viel zu wenig gibt.

Und dann kam dieses Griechenland-Projekt hinzu, um dieses wahrscheinlich einmalige Unterfangen einer längeren Auszeit auch ausreichend zu “nützen“. Um meine ständige Sehnsucht zum Meer zu stillen. Um mich, um uns herauszunehmen aus dem Alltag und zu sehen was passiert.

All die Philosophen und Life-Coaches sagen ja, dass da etwas Grundlegendes passiert mit uns in einer längeren Auszeit. Sie sagen, dass man ein Jahr um die Welt reisen soll und dann sei man wieder neu aufgesetzt wie ein Computer. Der Weitblick werde geschärft. Die Dinge neu geordnet und priorisiert.

Ich frage mich, was mit mir passiert in meiner Auszeit am MeerIch bin schon gespannt, was mit mir passiert. Natürlich bin ich schon wochenlang in einer aufgekratzten Stimmung, anders als vor “normalen“ Urlauben. Im Büro muss alles fertig gebracht, zuhause alles organisiert werden. Ich ertappe mich auch dabei, dass sich Sorgen einschleichen. Werden wir uns wohlfühlen in unserer Ferienwohnung? Wie wird es riechen dort? Wird alles da sein, was wir brauchen? Wird es so sein, wie wir uns das vorstellen? Wird uns auch nicht langweilig werden? Wird vor allem meinem Kind nicht langweilig werden? Wird es uns zu heiß? Werden wir leiden unter der Hitze? Wird die Zeit sehr schnell vergehen oder wird es uns lang vorkommen? Werden wir am Ende nachhause wollen oder am liebsten dort bleiben?

Du hast nur dieses eine Stück zu gehen, sagt meine Energetikerin. Dieses kleine Stückchen von der Geburt bis zum Tod. Du kannst deinen Weg schwer gehen oder leicht. Das Ergebnis wird dasselbe sein. Das Zimmer wird so sein wie es ist. Schön und hell oder schimmelig und voller Kakerlaken. Die Zeit dort wird sein, wie sie ist. Jedoch wie du im Vorfeld damit umgehst, ist deine Entscheidung. Du kannst dich freuen oder dir Sorgen machen. Ganz wie du willst.

Ich atme tief durch. Ich lasse all die Grübeleien noch einmal hochkommen und dann puste ich sie laut und vernehmbar aus. Sie hat so recht. Wieso sind wir ständig damit beschäftigt, uns Sorgen zu machen, anstatt uns einfach zu freuen. Auf das, was kommt. Auf das, was das Leben alles Wunderbares für uns bereithält. Auf das, was es noch mit uns vorhat. Auf alles Vorstellbare und auf all das Unvorstellbare. Auf alles Gewohnte und auf alle Überraschungen. Wir werden daraus lernen und daran wachsen. Egal, was kommt – wir werden daraus immer mehr wir.

Ich schließe die Augen und stelle mir das Meer vor. Alles in mir wird ruhiger und fängt sich an zu entspannen. Mein Herz weitet sich. Meine Sorgen halten nun endlich den Mund. Es kommt mir vor, als falle irgendetwas von mir ab, etwas ziemlich Großes.

Boah, denke ich, acht Wochen! Echte acht Wochen! Mein Herz klopft.

Erst jetzt fange ich an, mich richtig zu freuen.

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4 Kommentare

  1. Toll, das wird sicher eine schöne Zeit für euch. Ich finde, es ist richtig gut, sich rauszunehmen aus dem Alltag. Das hat enorme Qualität 😊😘

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