Ein bisschen Glitzer

Glitzer mit Weihnachtspaket - Ein bisschen Glitzer trotz Nachhaltigkeit

Was tun, wenn man zwischen der weihnachtlichen Euphorie am Schenken und dem Sparen von Ressourcen hin- und hergerissen ist?

Auch wenn die Weihnachtsstimmung mich gepackt hat, die Freude am Schenken wie jedes Jahr groß ist, bin ich verunsichert. Ich schenke zu viel. Ich schenke jenen, die alles haben sowie genauso ich, die ich nichts wirklich zusätzlich benötige, Geschenke in Empfang nehmen werde.

Ich beschenke mein Kind, das Spielsachen hat im Überfluss. Ich kaufe ein, obwohl ich so gerne Ressourcen sparen und noch viel nachhaltiger sein möchte. Ich verstärke die ungerechte Verteilung in der Welt, ich unterstütze den Klimawandel. Ich bin eine Zumutung für diese ohnehin schon gebeutelte Welt.


Obwohl ich normalerweise an Geschenksideen überquelle, martere ich dieser Tage meine Gehirnwindungen bis in die letzten Kanäle. Heuer müssen die Geschenke noch perfekter sein. Noch individueller auf die Person angepasst. Noch brauchbarer. Noch länger benutzbar, wiederverwertbarer. So umweltschonend wie nur irgend möglich.

Paket in Packpapier eingepackt mit rotweißer Kordel - Ein bisschen Glitzer zu WeihnachtenIch kann ihn heuer nicht recht genießen, den Weihnachtseinkauf. Ich, die ich es liebe, Päckchen in Glitzer und Glimmer zu verpacken, hadere damit, mir neues Geschenkpapier zuzulegen. Mit dem Bestellen von Dingen. Mit dem Kaufen an sich.

In meiner Not besorge ich gebrauchte Bücher bei www.medimops.de und hoffe, meine Lieben haben Verständnis, dass die Werke heuer nicht originalverpackt in der Plastikfolie ankommen. Dass möglicherweise die ein oder andere Seite einen Knick hat. Ich kaufe Naturseifen und leicht Verwertbares. Ich entdecke Geschenkpapierreste vom Vorjahr, die wieder verwendet werden können. Schön langsam komme ich in Fahrt. Für fast alle habe ich eine gute, umweltfreundliche Idee. Aber dann passiert es: Nicht nachhaltiges Playmobil wandert in mein Weihnachtsgeschenke-Geheimversteck, zur Gänze aus Plastik bestehend. Und das Schlimmste: Auch eine Amazon-Schachtel ist hinzugekommen.

Ich bin geknickt, dass ich es nicht geschafft habe. Dass ich meine Vorsätze nicht umsetzen konnte. Dass ich wieder umgefallen bin. Mit gesenktem Kopf betrete ich einen Drogeriemarkt, um meine Fotogeschenke abzuholen, die unnachhaltig am Postweg dorthin gelangt sind.

Da schallt Chris Rea aus dem Lautsprecher. „Driving home for christmas„. In mir steigen Bilder vergangener Weihnachten auf. Wie wir mit einem Auto voller Geschenke Richtung Heimat brausen. Mit einem Berg von glitzernden Verlockungen, den wir kaum zu verstauen wussten. Mit Mitbringseln, die ich begeistert gekauft und liebevoll verpackt hatte und es nicht erwarten konnte, in das Gesicht desjenigen zu blicken, der es öffnen würde.

Plötzlich übermannt mich ein vorweihnachtliches Hochgefühl. Eine vermisste Leichtigkeit steigt in mir hoch. Weihnachten als das Fest der unbändigsten Freude. Jenes Fest, das nichts als gute Gedanken in mir abgespeichert hat. Das von Kindheit an den besondersten Zauber, den es wohl gibt, versprüht. Jenes Fest, in dem sogar in unserem einfachen Haushalt ein Hauch von Luxus in der Luft lag. Jenes Fest, das ausnahmslos angefüllt ist mit Dingen, die nichts als nur schön sind. Mit besonderer Musik, mit besonderem Essen, mit besonderen Düften. Mit einer Strahlkraft, die lebt von Geheimnissen und Erwartungen, die erfüllt werden wollen.

Weihnachtlicher Stern in weiß-gold mit Glitzer - Ein bisschen Glitzer zur WeihnachtszeitNeben allem Bemühen um eine gute und saubere Welt, neben aller Anstrengung alles richtig zu machen, darf ich mich auch entspannen. Darf ich auch schenken mit leichtem Herzen. Darf ich mir in einer Überdosis an Liebe auch eine kleine Überdosis an Geschenken erlauben. Darf ein voller, reichhaltiger Tisch unsere vollen, reichhaltigen Herzen widerspiegeln. Darf ich, wenn ich auf die größtmögliche Verwertbarkeit der gekauften Nahrungsmittel achte, auch im Außen das Große und Pompöse zum Ausdruck bringen, das sich in meinem Inneren abspielt. Darf sich unser Feuerwerk an Gefühlen auftun in einem bombastischen Fest. Darf es auch Geschenkpapier geben, das nicht aus Zeitungspapier besteht.

Darf das Christkind auch heuer etwas Glitzer bringen.

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